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Jan Kasper Klein – Gerechte unter den Völkern (10)

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Bob Denneboom. Foto: Yad Vashem

Ein von Bob Denneboom gezeichnetes Portrait von Jan Kleinfoto: Yad Vashem

Jan Klein. Foto: Yad Vashem

Bob Denneboom schuf dieses Bild, das die beengten Verhältnisse im Denneweg 16 zeigt. Foto: Yad Vashem

Jan Kasper Klein – Gerechte unter den Völkern aus dem KZ Dachau

Von Klemens Hogen-Ostlender

Der Staat Israel hat 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen geschaffen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise ausgezeichnet – nicht nur Männer aus den Priesterblöcken.Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft, und wenn sie verstorben sind, auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum 1. Januar 2024 haben nach der neuesten Statistik 28.707 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 1.819 aus den Niederlanden. Einer von ihnen ist Jan Kasper Klein.

 

Ein Haus mitten in der Stadt...

 

Jan Kasper Klein wurde am 8. Juni 1912 in einer christlichen Familie in Rotterdam geboren. Die Geburtsurkunde nennt David Klein und Jacoba Harmanna Manherst als seine Eltern. Von Natur aus sportlich, war er als Kind in mehreren Sportarten hervorragend und begann mit zunehmendem Alter zu trainieren. Nach Abschluss seiner Schulausbildung wurde er Sportlehrer an einer weiterführenden Schule und trainierte auch Turner.

, in dem die Stadt seiner Geburt schwer bombardiert wurde, überzog Jans Heimat, als er 28 Jahre alt war. Er war nun Turnlehrer an der Technischen Hochschule Delft und wohnte in Den Haag, im Denneweg 16 inmitten der Stadt. Das Haus war aber unscheinbar, was für Jan Kleins späteres Vorhaben entscheidend sein sollte. Im Erdgeschoss befand sich eine Schreinerei, die kaum genutzt wurde, was das ganze Gebäude ruhig und unauffällig machte. Jan Klein pflegte eine enge Freundschaft zu Bob Denneboom, der wegen seines jüdischen Glaubens verfolgt wurde. Der talentierteMaler war außerdem auch als Wettkampfschwimmer aktiv, der zahlreiche Preise gewann und auf sich auf das Turmspringen vom 3-Meter-Brett spezialisierte, in dem er sogar niederländischer Meister wurde. Bob Denneboom hatte sich nach Kriegsbeginn knapp hundert Kilometer ördlich im Wochenendhaus seiner Familie in Egmond-Binnen in Nordholland versteckt, westlich des wenige Jahre zuvor erst durch den Abschlussdamm geschützten Ijsselmeers. Trotz des Namens liegt die kleine Ortschaft keine drei Kilometer vom Meer und dem bekannteren Küstenort Egmond aan Zee entfernt.

 

...wird zum Quartier für 17 Flüchtlinge

Als die deutschen Besatzer die niederländische Küstenregion evakuierten, musste Denneboom sein Versteck aufgeben und zog am 1. Januar 1943 zu Jan Klein. Zu dieser Zeit teilte der sein Haus bereits mit seinem Freund Mischa Elkan, einem Juden aus Lettland, der im Alter von 19 Jahren nach Amsterdam gekommen war. Irgendwie hatte er es geschafft, die Deutschen davon zu überzeugen, dass nur zwei seiner Großeltern Juden seien. Nach den Nürnberger Gesetzen galt er deshalb als „Mischling 1. Grades“ („Halbjude“), wodurch er zunächst der Deportation entgangen war und sich noch frei bewegen konnte. Mitte 1942 hatten Deportationen niederländischer Juden begonnen, und Nachrichten waren durchgesickert, dass Vernichtungslager im besetzten Polen das Ziel waren. Als diese sich verstärkten, nahmen Jan und Mischa nach und nach die gesamte Familie von Bob Denneboom auf: seine Eltern, seine Schwester, seinen Schwager und weitere Verwandte. Schließlich lebten 17 Juden in dem kleinen dreistöckigen Haus, das über einen speziellen Raum zum Verstecken unter dem Dach verfügte. Um die Überbelegung einigermaßen erträglich zu gestalten, bot Jans Mutter gelegentlich vier oder fünf der Flüchtlinge an, in ihrem Haus im zerbombten Teil von Den Haag zu wohnen.

 

Verhaftung durch Verrat

Während des Krieges war Jan als Lebensmittelverteiler beschäftigt, was es ihm ermöglichte, sich frei in der Stadt zu bewegen. Er knüpfte Beziehungen zu Mitgliedern der niederländischen Widerstandsbewegung und nach dem ersten Kontakt wurde er in ein umfassendes System eingebunden. Er hatte damit zum Beispiel Verbindung zu Fälschern, die nicht nur Ausweispapiere anfertigen konnten, sondern jeden Monat auch die nötigen Lebensmittelkarten für die Untergetauchten. Wenn jemand zu Besuch kam, mussten die Flüchtlinge stets völlig still sein. Als Nachbarn sich einmal wunderten, warum Jan mit so vielen Broten unterwegs war, überging er die brenzlige Situation mit dem scherzhaften Hinweis, er betreibe eine Brotkrumenfabrik. Mehr als ein Jahr gelang es Jan Klein, seine Schützlinge vor der Entdeckung zu bewahren. Aber am 16. Februar 1944 kam das Verhängnis durch Verrat. Jemand hatte den Deutschen einen Hinweis gegeben. Sie durchsuchten nicht nur Jans Haus, sondern auch das seiner Mutter. Beide und die 17 versteckten Juden wurden verhaftet. Nur Bob Denneboom gelang die Flucht. Gerade einmal fünf der Verhafteten überlebten die Lager, darunter Jan. und die 65-jährige Jacoba Klein, die beide ins Konzentrationslager Herzogenbusch im Süden der Niederlande gebracht wurden. Es diente oft als Zwischenstation für Gefangene auf dem Weg ins Reichsgebiet.

 

Nur wenige überlebten

Mischa überlebte und wanderte nach dem Krieg nach Israel aus. Das gelang ebenfalls Roza Vos-Rijksman, die später Bob Denneboom heiratete, und einem weiteren entfernten Verwandten von Bob. Dessen Eltern, seine Schwester, sein Schwager und andere Familienangehörige wurden in Auschwitz ermordet. Jan Klein kam aus dem KZ Herzogenbusch ins Konzentrationslager Dachau. Er traf dort am 26. Mai 1944 ein, erhielt die Häftlingsnummer 68564 und wurde zur Zwangsarbeit ins Außenlager Allach überstellt. Die meisten Häftlinge mussten dort Flugzeugmotoren für BMW zusammenbauen. Die hölzernen Wohnbaracken des Lagers waren umgebaute Pferdeställe. Todesfälle waren an der Tagesordnung, sowohl wegen der Grausamkeiten der SS als auch durch Mangelernährung, unzureichende sanitäre Einrichtungen und fehlende Hygiene. Ruhr, Typhus, Tuberkulose und Krätze brachen aus. Am 30. April 1945, einen Tag nach dem Stammlager in Dachau, erreichte die US-Armee Allach und befreite die Häftlinge.

 

Psychisch Wunden

Jan Klein überstand die unmenschlichen Haftbedingungen auch dank seiner sehr starken körperlichen Konstitution als Sportler. Roza Vos-Rijksman war nach den überstandenen Jahren der Ungewissheit voll des Lobes über ihn: „Es gab nicht viele Menschen, die so selbstlos waren wie Jan Klein, vor allem wenn man bedenkt, dass seine Mutter damals bereits über 60 Jahre alt war. Er besorgte auch gefälschte Ausweispapiere, sodass Bob Denneboom nach draußen gehen konnte, um beispielsweise Lebensmittel für alle Untergetauchten zu besorgen.“ Jan Klein kehrte nach dem Krieg in seinen Beruf als Sportlehrer zurück. Doch die unsichtbaren Wunden waren tief: Körperlich erholte er sich schnell, aber er litt zeitlebens unter schweren psychischen Folgen, die von Ärzte damals auch als KZ-Syndrom bezeichnet wurden. Jan Klein musste vorzeitig in den Ruhestand treten. Am 28. Mai 1974 erkannte Yad Vashem ihn während einer Zeremonie in Den Haag als Gerechten unter den Völkern an.

 

Quellen:

https://collections.yadvashem.org/en/righteous/search-results/jan%20Klein?page=1

https://www.accidentaltalmudist.org/heroes/2023/02/21/heroic-dutch-gym-teacher-jan-klein/

https://flessenpostuitegmond.nl/tekening-van-bob-denneboom-in-het-nationaal-holocaustmuseum-amsterdam/

https://en.wikipedia.org/wiki/National_Monument_Camp_Vught

https://de.wikipedia.org/wiki/KZ-Außenlagerkomplex_München-Allach_(BMW)

 

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