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Vikar Heinrich König

Vikar Heinrich König

Fotos: Vikar Heinrich König. Foto: Public Domain; Heinrich Königs Urne in der Propsteikirche in Gelsenkirchen. Foto: Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon; Stolperstein für Heinrich König in Hagen. Foto: Bärwinkel, Klaus CC-AS 4.0

Heinrich Königs Weg nach Dachau von Klemens Hogen-Ostlender

Der Zweite Weltkrieg war sieben Wochen alt, als Heinrich König in der Gnadenkapelle in Schönstatt in einem Weihegebet diese Worte sprach: „Herr, ich bin bereit, alles auf mich zu nehmen, Hunger, Kälte, Armut, Krankheit, Entbehrung, Qualen, Haft, Konzentrationslager und Tod - zu Deiner Ehre und zur sittlich-religiösen Wiedergeburt unseres Vaterlandes“.

Er hatte am 24. Juni 1900 in Höchst bei Frankfurt das Licht der Welt erblickt. Von sechs Geschwistern starben drei früh, was für Heinrich eine existenzielle Erfahrung war und sein Verhältnis zu Leid und Sterben tief prägte. Die Familie verlegte später den Wohnsitz erst nach  Gelsenkirchen und dann nach Unna, wo der Junge das Gymnasium besuchte. Er war danach 1918 noch einige Monate Soldat im Ersten Weltkrieg. Das Studium der  Theologie absolvierte er in Paderborn, an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Münster und am Georgianum der Universität in München. Damals war der junge Mann Mitglied in der katholischen Studentenverbindung Hochland.

Gespräch mit einem Fronturlauber

Er empfing 1924 im Paderborner Dom die Priesterweihe. Er hatte sich der Priestergemeinschaft der apostolischen Schönstattbewegung angeschlossen und lernte dort deren Gründer, Pater Josef Kentenich, kennen. Seine erste Stelle als Vikar bekam König in Hagen. Er wurde zur Gründung einer neuen Gemeinde dorthin gesandt und initiierte in der Vorstadtsiedlung Emst den in nur fünf Monaten fertiggestellten Bau der Behelfskirche Heilig-Geist. Sie ist heute das nach ihm benannte Gemeindehaus neben der 1954 geweihten neuen Heilig-Geist-Kirche. 1935 wechselte Heinrich König in die Propsteikirche St. Augustinus in Gelsenkirchen, wo er sich unter anderem in der Jugendseelsorge sowie als Präses der Kolpingsfamilie engagierte und sich um Aufbau und Begleitung von Gruppen der Schönstattbewegung kümmerte. Im Sommer 1941 geschah etwas, dass das Schicksal des Priesters entscheidend wendete. Er versuchte im vertraulichen Gespräch, einen deprimiert wirkenden Soldaten auf Heimaturlaub mit der Bemerkung zu trösten, der Krieg werde nicht mehr lange dauern. Deutschland werde ihn  wegen der Schuld, die es auf sich geladen habe, verlieren. Der Soldat, Mitglied des Kolpingvereins der Gemeinde und König gut bekannt, kehrte an die Front zurück und gab diese Bemerkung offensichtlich weiter. Am 30. September 1941 wurde der Vikar, der seine Distanz zum Nationalsozialistischen Regime nicht verheimlicht hatte, von der Gestapo zum Verhör vorgeladen und gleich verhaftet.

Im Polizeigefängnis

Im Polizeigefängnis von Gelsenkirchen verweigerte man ihm jeden geistliche Beistand. Nicht einmal der Anstaltsgeistliche durfte zu ihm. Familienmitgliedern waren Besuche allerdings gestattet. Der Erzbischof von Paderborn, Lorenz Kardinal Jäger, erlaubte der Mutter aber,  ihrem Sohn heimlich die Kommunion zu bringen. Unmittelbar vor ihrem abendlichen Besuch in der Einzelzelle legte ein Priester vorsichtig eine geweihte Hostie zwischen die Butterbrote in der Handtasche der Frau. Der Sohn nahm sie sich dann selbst heraus. In der Nacht hielt er vor ihr Anbetung und kommunizierte dann am Morgen. Auch für eine Beichte fand sich eine situationsbedingte Lösung. Heinrich König  hielt in seiner Zelle zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt Gewissenserforschung. Gleichzeitig ging draußen vor dem Gefängnis ein Priester vorbei und erteilte ihm die Absolution. Die Zelle wurde zu einem Ort des Gebets und der Betrachtung.  Neben dem täglichen Breviergebet und dem Rosenkranz wiederholte der Gefangene die Exerzitien, an denen er im Frühjahr in Schönstatt teilgenommen hatte.

Nach  neun Wochen Haft wurde Heinrich König ohne Verhandlung als so genannter „Schutzhäftling“ ins Konzentrationslager Dachau abtransportiert, wo er am 5. Dezember 1941 eintraf. Obwohl keine aktuellen Gallenbeschwerden vorlagen, operierte ihn ein junger SS-Arzt kurz darauf. Der Eingriff war sehr unsachgemäß, entweder mit Absicht oder aus mangelnder Erfahrung Die Nachbehandlung dauerte Monate. Die Briefe, die Heinrich König in dieser Zeit an seine Mutter schrieb, sind Zeugnisse seines Opfergeistes. Sie lassen erahnen, woher er die Kraft nahm, das ihm zugefügte Leid zu ertragen. Ungeachtet seiner Bedrängnis fand er Worte des Trostes, um die Angehörigen aufzurichten, wenn er zum Beispiel schrieb: „Jetzt kommt das schöne Osterfest, das Fest des neuen Lebens, der frohen Hoffnung. Ich habe mich selten so auf das Fest gefreut und wünsche, daß gleiche Freude und noch größere Hoffnung in euch lebendig werde“. 

Das besiegelte Versprechen

Weil die OP-Narbe nie richtig verheilte, konnte Heinrich König keine schweren Arbeiten verrichten und wurde zum Bettenbau eingesetzt, einer gefährlichen Arbeit bei dreistöckigen Betten. Um die obersten zu erreichen, musste man zwei Hocker aufeinander stellen und darauf balancieren. Dabei verlor er einmal das Gleichgewicht und stürzte so unglücklich, dass die Narbe wieder aufbrach. Trotz großer Schmerzen und ansteigenden Fiebers wurde er erst einen Tag später in das Krankenrevier eingeliefert.  Weil Reichsprotektor Reinhard Heydrich, der „Schlächter von Prag“,  am 27. Mai 1942 nach einem Attentat an einer Sepsis gestorben war, die durch eine Blutvergiftung entstand, wurde in Dachau an gesunden Menschen geforscht, wie sich so etwas vermeiden ließe. Weil Heinrich König einen Heydrich ähnlichen Körperbau hatte, wurde ihm am 15. Juni eine vergiftende Injektion gespritzt. Der Vikar starb mit geistlichem Beistand an seinem 42. Geburtstag, dem 24. Juni 1942. Er hatte sein Versprechen besiegelt. Entgegen der üblichen Praxis wurde den Angehörigen gestattet, seinen Leichnam zu sehen. Eine Freigabe verweigerte die SS aber. Die Familie erhielt nur eine Urne mit seiner Asche. Sie wurde in der Priestergruft auf dem katholischen Friedhof von Gelsenkirchen beigesetzt. An seiner Totenmesse am 2. Juli 1942 nahmen trotz Gestapo-Überwachung viele Geistliche und Gemeindemitglieder teil. Kardinal Franz Hengsbach übertrug die Urne 1989 in die neu geschaffene Gedenkstätte Heinrich in Königs alte Wirkungsstätte, die Propsteikirche.

Mehr Informationen über die Statue „Unsere von Dachau“8131/13916 08131/13916

 

 

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