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Joris Lebeau – Gerechte unter den Völkern aus dem KZ Dachau-2026-51

Bildtexte: Selbstbildnis von Joris Lebeau von 1933. Foto: Public  Domain; Der Entwurf zu dieser Briefmarke von 1924 stammte von Joris Lebeau. Foto: Public Domain; Von Joris Lebeau gestaltetes Bleiglasfenster in der Fredericus en Odulfuskerk in Leiden. Foto: Gerard Dukker, Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed CC-AS   4.0

 

Joris Lebeau- Gerechte unter den Völkern aus dem KZ Dachau von Klemens Hogen-Ostlender

Der Staat Israel hat 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen geschaffen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise ausgezeichnet – nicht nur Männer aus dem Priesterblock, sondern auch Gefangene beiderlei Geschlechts aus der großen Zahl der Laien, die im Lager eingekerkert waren. Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft, und wenn sie verstorben sind, auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum 1. Januar 2024 haben nach der neuesten Statistik 28.707 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 6137 aus den Niederlanden. Einer von ihnen ist Joris Johannes Christiaan Lebeau.

In Armut aufgewachsen

Joris Lebeau wurde am 26. Mai 1878 in Amsterdam als viertes Kind seiner Eltern, die einer finanziell armen Arbeiterfamilie angehörten, in einer Kellerwohnung geboren. Sein Vater Jacques Charles Lebeau, ein überzeugter Sozialist, arbeitete unter anderem als Maschinist und Ladenbesitzer. Joris half in seiner Jugend dem Vater beim Verkauf der anarchistischen Zeitschrift „Recht vor Allen“ („Recht für alle“). Seine Mutter Grietje Scholte konnte mit Näharbeiten zu einem bescheidenen Nebenverdienst für die Familie beitragen. Der Vater, der der dem Alkohol zugetan war, musste wegen seinem politischen Aktivismus und des Verkaufs der anarchistischen Zeitschrift öfter den Arbeitsplatz wechseln. Wiederholt wurden von ideologischen Gegnern auch Fensterscheiben der Wohnung der Familie eingeworfen. Chris Lebeau, wie er heute oft genannt wird, war sein Leben lang Abstinenzler, Vegetarier und trank weder Kaffee noch Tee. Er bezeichnete sich als religiösen Anarchokommunisten. Seine religiöse Weltanschauung basierte nicht auf dem so genannten „christlichen Anarchismus“, der die Meinung vertritt, man könne aus dem Glauben an Christus heraus anarchistisch denken und handeln. Er war außerdem von der Theosophie überzeugt, der Bezeichnung für ein Denken, das Gott und das Universum als identisch ansieht und Gott durch Intuition unmittelbar erfahren will.   

Vielseitiger Künstler

Joris Lebeau gilt heute als vielseitigster und produktivster Künstler seiner Zeit. Im Drents Museum in Assen, im British Museum, im Rijksmuseum Eindhoven und im Glasmuseum Leerdam sind Werke von ihm ausgestellt. Er nahm von 1892 bis 1898 Zeichenunterricht an der Amsterdamer Zeichenschule für Kunstgewerbe und der Staatliche Schule für das Kunstgewerbe. Er entwarf unter anderem Dessins für eine Leinenfabrik und eine Glasfabrik sowie Tongefäße für eine industrielle Töpferei. Muster für Tapeten, Entwürfe für Briefmarken, Buchumschläge, Kataloge und Dekors für Theater, gehörten ebenso zu seinem Schaffen wie Holzschnitte und Skulpturen. Lebeau zeichnete auch Illustrationen, Karikaturen und Plakate und arbeitete außerdem als Lehrer an Fachschulen für das Kunstgewerbe in Amsterdam und Haarlem. Nach 1914 war er sechs Monate mit einer Theatergruppe in der Kolonie Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien, tätig. Sein meistverbreitetes Werk war die Briefmarke „Vliegende Postduif“ („Fliegende Posttaube“), bei der man auf den ersten Blick auf der Marke den Vogel nicht unbedingt erkennt. Sie wurde von 1924 bis lange bis nach dem Zweiten Weltkrieg in verschiedenen Ausführungen verwendet.

Verhaftung 1943

Nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht gekommen waren, ging Joris Lebeau eine Scheinehe mit der Jüdin Ilse Ruth Voigt ein, die vor den Nationalsozialisten aus ihrer Heimat geflüchtet war. Von 1902 bis 1909 war er bereits mit Anna M. Leverington verheiratet gewesen. Er war Vater einer Tochter. Im November 1943 wurden Lebeau und seine zweite Frau mit der Begründung verhaftet, sie hätten jüdischen Niederländern ihre Hilfe angeboten. Ein jüdisches Ehepaar war in Ede in der Provinz Gelderland in der Nähe der Deutschen Grenze verhaftet worden. Während des Verhörs fiel Lebeaus Name, woraufhin die Polizei ihn und seine Frau umgehend festnahm. Bei der Durchsuchung ihres Hauses und seines Ateliers wurde umfangreiches Beweismaterial gefunden, doch Joris Lebau stritt ab, dass seine Frau in irgendeiner Weise beteiligt gewesen sei, und nahm die gesamte Schuld auf sich. Daraufhin wurde sie nach sieben Wochen freigelassen. Ihr Mann aber wurde in das Gefängnis von Den Haag gebracht.

Da er ein bekannter Künstler war, galt er als wichtiger Gefangener. Ihm wurde gestattet, seine künstlerische Arbeit im Gefängnis fortzusetzen und seine Frau durfte ihm Essen, Kleidung und Malutensilien bringen. Er selbst wäre ebenfalls entlassen worden, wenn er zugesagt hätte, in Zukunft auf illegale Aktivitäten wie das Fälschen von Dokumenten zu verzichten. Lebeau lehnte dies aber ab und wurde deshalb im Februar 1944 ins Konzentrationslager Herzogenbusch im Süden der Niederlande gebracht. Am 26. Mai 1944 kam er von dort in das KZ Dachau. Auch dort blieb er Vegetarier, gab zum Teil sein Essen an Mitgefangene und weigerte sich zum Beispiel, Suppe zu essen, weil er annahm, es sei Fleisch darin. Joris Lebau starb am 2. April 1945, keine vier Wochen vor der Befreiung des Lagers, in Dachau an Typhus.

 

 Biografien weiterer Gerechter unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren und andere interessante Artikel: Link

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Chris_Lebeau

https://collections.yadvashem.org/en/righteous/4043336

https://www.britishmuseum.org/collection/term/biog73490

https://www.giesicke.com/en/artist/lebeau-chris-248.html

https://www.facebook.com/groups/692753670894756/posts/1274093529427431/

https://picryl.com/collections/joris-johannes-chris-lebeau-431003?page=3

 

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